„Instrumentelle Besamung von Bienenköniginnen“ (Das Bienenmütterchen 10/12 2026)

Die instrumentelle Besamung ist eine Form der Begattung durch menschlichen Eingriff mittels geeigneter Hilfsmittel.

Normalerweise werden Königinnen zur Begattung auf Belegstellen gebracht, um sich dort mit Drohnen von ausgewählten 4a-Zuchtmüttern zu paaren. Dafür gibt es Belegstellen verschiedenster Kategorien und Anforderungen, wie Landbelegstellen mit und ohne Schutzradius, Hochgebirgsbelegstellen, Toleranzbelegstellen und Inselbelegstellen.
Die instrumentelle oder auch künstliche Besamung gibt es seit den 1970er-Jahren und ist aus der modernen Zucht nicht mehr wegzudenken.
Besonderes Augenmerk wird der instrumentellen Besamung bei der genetischen Beeinflussung der Varroatoleranzmerkmale zugeschrieben.
Dabei werden Zuchtköniginnen als Zuchtmütter verwendet, die sehr gute Varroatoleranzwerte besitzen, wie das Ausräumverhalten beim Nadeltest, Auswaschproben und die Brutuntersuchung auf die Anzahl der fortpflanzungsfähigen Milben. Die Ein-Drohn-Besamung ist dafür besonders geeignet. Diese Völker können nur als Kleinvölker in MiniPlus-Einheiten überwintert werden, da das Sperma von nur einem Drohn nicht ausreicht, um große Völker aufzubauen.
Von diesen überwinterten Kleinvölkern werden dann Drohnen für die instrumentelle Besamung bereitgestellt, die die Eigenschaften der 2a-Mutter besitzen.
Erst die Nachzuchtköniginnen können wieder in Vollvölker eingeweiselt werden, um aus einer oder mehreren Gruppen die Königinnen zu finden, die verbesserte Eigenschaften zeigen.

Leider gibt es, wie bei anderen Züchtungen auch, Nachteile. Wenn der Imker oder Züchter nicht konsequent bei der Auswahl der Zuchtmütter ist oder einfach nur „einmal etwas ausprobiert“, wird der Erfolg ausbleiben.

Geeignetes Zuchtmaterial für die Besamung
Als langjähriger Züchter ist man bestrebt, im Jahresverlauf für die neue Zuchtsaison junge Königinnen aus gekörten Völkern zu produzieren und auf geeigneten Belegstellen begatten zu lassen.
Die Jungköniginnen werden in Ableger oder Kunstschwärme mit definiertem Anfangsgewicht eingeweiselt und erhalten eine Grundfuttergabe für den Start. Das sind dann die sogenannten Starteinheiten für die Leistungsprüfung im nächsten Jahr.
Von diesen Völkern wird erst nach erfolgter Leistungsprüfung und der Veröffentlichung der Zuchtwerte nachgezogen. Nur die Völker mit den besten Zuchtwerten kommen dafür infrage.
Bei Carnica-Völkern kommen zusätzlich die Merkmalsprüfung und die Körung durch den Landesverband hinzu.

Besamungslehrgang 2026 bei Ali Ataeian in Thüringen.
Kontakt zu Ali via E-Mail: ali.ataeian@artiqueenbeeins.com.

Kontaktaufnahme zu Besamern
Die Wahl eines Besamers ist sehr wichtig für eine erfolgreiche Besamung.
Bei der letzten Mitgliederversammlung des IBSZ e.V. in Wurzbach (Thüringen) im September 2025 hat Herr Ali Ataeian aus Elgersburg neben einem interessanten Vortrag über die Imkerei im Iran auch einen Vortrag über seine Besamungsstation und die Ausbildung von jungen Besamern gehalten.
Die Vorträge haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sodass ich mich Anfang Juni entschieden habe, meine Königinnen bei Ali Ataeian besamen zu lassen.
Gemeinsam mit unserem Mitglied Jörg Michelfeit, der seinen Besamungskurs absolvieren wollte, haben wir den Termin 16.7.26 bekommen.

Aufzucht der Drohnen für die Besamung
Die Aufzucht der Drohnen ist genau wie die Königinnenzucht absolute Terminsache.
Die Drohnen müssen am Besamungstermin, ab Ei gerechnet, mindestens 42 Tage und maximal 52 Tage alt sein.
Am 3.6.26 wurden die Drohnenrahmen mit einer Drohnenmittelwand in fünf F1-Völker der Linie SKL 47/H/47 zum Bestiften eingehängt.

Arbeitsschritte
– Die Stiftkontrolle erfolgte vier Tage später, und damit wurde das Alter der Larven bestimmt.
– Drohnen am 21. Tag bis zum Schlupf käfigen!
– Drohnenschlupf am 24.–28. Tag mit Teil-entnahme von Drohnen für die Merkmalsbeurteilung.
– Drohnen in einen Sammelbrutableger mit modifiziertem Abstandsrechen umsiedeln.
– Die Drohnenwaben bleiben bis zu ihrer Entnahme im Honigraum. Dort können sie besser Futter abnehmen als in kleineren Zellen.
– Drohnen regelmäßig mit Flüssigfutter versorgen. Bei Futtermangel werden die Drohnen schnell entsorgt.
– Drohnen werden im Honigraum dunkel gehalten und durch Absperrgitter vom Brutraum getrennt.
– Die im Sammelbrutableger geschlüpfte Königin ist entsprechend dem Alter gegen eine zu besamende Königin auszutauschen.
Das Alter dieser Königin sollte dem der weiteren zu besamenden Königinnen entsprechen.

Aufzucht von Königinnen für die Besamung
Die Königinnenzucht für die Besamung ist so einzuleiten, dass die Königinnen 9–12 Tage vor der geplanten Besamung schlüpfen.

Arbeitsschritte
– Am 23. Juni wurde für den anvisierten Besamungstermin mit vier Tage alten Larven von dem Zuchtvolk der Linie SKL 47/9/26 umgelarvt.
– Am 2. Juli wurden die Königinnen in die bereits mit ausreichend Bienen und Futter vorbereiteten Kieler Begattungskästen verschult.
– Am 5./6. Juli Schlupf im MWK, Schlupf-kontrolle zwei Tage später.
– Am 14. Juli Zeichnen der Jungköniginnen mit Nummernplättchen und danach im geschlossenen Iltiskäfig zusetzen. Dadurch werden Wiederannahmeverluste minimiert.
– Das Käfigen vereinfacht den Zeitaufwand beim Besamen enorm.
– Jede Königin wird nach dem Zeichnen in ein Literglas gesetzt, um festzustellen, ob sie bis unter die Decke krabbeln kann und nicht abfällt.

Es gibt mehrere Methoden, wie die Besamungseinheiten terminlich gebildet werden.

Methode 1 – Besamungseinheiten ohne Drohnen bilden und am gleichen Tag mit Nummer gezeichnete Jungköniginnen zusetzen. Es kann zu Annahmeverlusten kommen. Daher müssen immer Reserveköniginnen da sein.

Methode 2 – Besamungseinheiten ohne Drohnen bilden und am 12. Tag, also vier Tage vor dem Schlupf, die Edelzellen in die Begattungseinheiten geben. Ausfälle gibt es nur, wenn eine Zelle nicht schlüpft, was aber selten ist. Die Rähmchen der Begattungskästen besitzen gleich die Bohrungen für die Zuchtstopfen. Das erleichtert auch das Herausnehmen der leeren Zellen, ohne dass die Waben gezogen werden müssen.

Schlussbemerkungen
Da ich schon viele Jahre Königinnen künstlich besamen lasse und sowohl Erfolge als auch Misserfolge hatte, kann ich mit der Besamung im Jahr 2026 einen vollen Erfolg verbuchen.
Terminzusage und Termintreue waren okay.

Beurteilung der Drohnen und Königinnen durch den Besamer:
Es gab bei den Königinnen und Drohnen durch den Besamer keine Beanstandungen.

Anzahl der besamten Königinnen: 10
Anzahl Königinnenverluste: 0
Anzahl Königinnen in Eilage am 4. Tag: 7
Anzahl Königinnen in Eiablage am 6. Tag: 3
Anzahl Königinnen mit Buckelbrut: 0

Wilfried Götze, Züchter DE-14-21