Geschichte der Sklenarbiene

Der Stamm 47
Guido Sklenars Verkaufsschlager aus Mistelbach
/ Niederösterreich

Guido Sklenar

Guido Sklenar wurde am 15. Juni 1871 geboren und ist am 25. Mai 1953 in Mistelbach gestorben. Er war Lehrer und Ökonomierat und ein sehr erfolgreicher Züchter der Carnicabiene, die graue Müllerin, wie er sie gern nannte.
Noch heute nennt man Guido Sklenar den
„Pionier der österreichischen Königinnenzucht“.
Im Weinviertel Österreichs, also am Rande des eigentlichen Verbreitungsgebietes der Carnica, befasste sich Guido Sklenar mit der Selektion der bodenständigen Biene.
1890 war er als Junglehrer nach Mistelbach gekommen, baute selbst einen Bienenstand auf und übernahm kurze Zeit später zusätzlich den Stand seines Schwiegervaters mit weiteren 36 Völkern, so dass er insgesamt 50 Völker bewirtschaftete. Schon im ersten Jahr fiel ihm eines seiner Völker besonders auf; es lieferte den meisten Honig. Zudem unterschied es sich von den anderen Völkern durch seine einmalige Ruhe und Sanftmut, die Stetigkeit der Winterversorgung und seine Wetterfestigkeit.
Es flog auch noch dann, wenn die anderen Völker daheim blieben. Bemerkenswert war auch die Anlage des Brutnestes. Von oben nach unten zeigten die Waben einen schönen Honigkranz dem ein Streifen Pollen folgte, der dann die Brut umschloss. Dazu kam noch die gute Überwinterung mit einem auffallend geringen Totenfall. Ausgewintert, kaum mittelstark, überholte es in überraschend kurzer Zeit alle anderen Völker. Auch in den beiden nächsten Jahren, als Sklenars Stand auf 70 Völker angewachsen war, bestätigten sich diese Eigenschaften und das Volk lag wiederum in der Leistung an der Spitze. Der einzige Nachteil war die starke Verwendung von Propolis. Sklenar wollte von diesem Volk vermehren, aber es war durch keinerlei Maßnahmen zum Schwärmen zu bringen. Die Maßnahmen der Königinnenzucht waren damals noch weitgehend unbekannt. So griff er zur Methode der „Herzwabe“ ähnlich dem Bogenschnitt und erzeugte eine Reihe von Königinnen als Nachzucht aus seinem „Elitevolk“, dass in der Beute Nr. 47 untergebracht war. Nach dieser Beutennummer nannte er zunächst auch seinen Stamm, den Stamm 47. Von da an beschäftigte sich Sklenar intensiv mit der Auslese. Zu Hilfe kam ihm seine einmalige Beobachtungsgabe und die Fähigkeit aus den gemachten Beobachtungen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Er ging konsequent und stetig den von ihm als richtig erkannten Weg. Sein Grundsatz lautete: „grau, sanft, ruhig“, womit er die Hauptmerkmale der Carnica erfasste.
Zielstrebig weiselte er alle nicht Muttervölker um.
In den Völkern förderte er die Drohnenzucht. Zeitig gab er auch Königinnen an die Nachbarimker ab. So gelang ihm innerhalb eines reinen Carnicagebietes auch ohne Belegstelle einen relativ einheitlichen Stamm mit guten Eigenschaften zu züchten.

Guido Sklenar war aber auch wie mancher anderer Züchter aus dem alten Groß-Österreichischen Carnica-Bereich ein tüchtiger Geschäftsmann. Er pries seinen Stamm 47 im deutschsprachigen Raum an, gründete im Mai 1922 seine Fachzeitschrift „Mein Bienenmütterchen“ und gab seine Erkenntnisse und Erfahrungen einem breiten Publikum weiter. Da der Stamm 47 nicht nur über Ruhe und Fleiß der Carnica verfügte, sondern im Gegensatz zu den vielen Importen aus Slowenien mit seiner Schwarmbienenzucht in Bauernkästen auch wesentlich schwarmträger war, fand Sklenar in Deutschland viele dankbare Abnehmer. In den Jahren 1930 bis 1938 wurden ständig 10 Pflegevölker, die wöchentlich ca. 200 Weiselzellen lieferten, gehalten. Allerdings vermischten sich die Nachzuchten in Deutschland mit der überwiegend dunklen Landrasse, so dass ihre erwünschten Carnica – Eigenschaften nicht erhalten blieben und man ständig auf neue Importe aus Mistelbach angewiesen war.

Mit den Erkenntnissen zur merkmalsmäßigen Unterscheidung der Rassen wurde im 3. Reich 1937 das Zuchtwesen ausgebaut und neu organisiert. Es wurde auf die Hochzucht und Anerkennung der heimischen, dunklen Mellifera-Biene abgestellt. Die Carnica und so auch der Stamm 47 gehörten nicht dazu, so dass deren Einfuhr offiziell nicht zugelassen war. Dies änderte sich erst 1938 mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Sklenar wurde im Mai 1939 mit der höchsten imkerlichen Auszeichnung, der
„Silbernen Wabe“ geehrt und von der Reichsfachgruppe Imker als Reinzüchter anerkannt. Sein Stamm 47 hieß fortan Stamm 47- Sklenar. Gleichzeitig erfolgte mit der Eröffnung am 21. Mai 1939 die Anerkennung der Belegstelle „Hirschgrund 310“ in der Nähe von Mistelbach als erste anerkannte Belegstelle Österreichs. Die Zuchtarbeit verlief von diesem Zeitpunkt an über diese Belegstelle. Sie war jedoch genauso unsicher wie die vielen anderen Belegstellen auch, da der Bienen freie Umkreis nicht ausreichend war und den damaligen Vorstellungen entsprechend nur wenige Drohnenvölker aufgestellt wurden. Trotzdem wurden jährlich bis zu 5000 angelieferte Königinnen ausreichend begattet. Durch verschiedene Umstände und Unstimmigkeiten zwischen dem Haus Sklenar und der Reichsfachgruppe der Imker wurde der Stamm 47-Sklenar 1944 abgekört. Der Grund war ein leichter Spritzer braun am ersten Tergit, welches bei jeder 50. Biene nachzuweisen war. Erst nach dem Krieg erfuhr Sklenar, insbesondere durch die Leistungsprüfungsergebnisse von Reininghaus im Landesverband Westfälischer-Lippischer Imker eine züchterische Anerkennung. Gerade von dem Landesinstitut in Münster und dem Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker, wird die Zucht der Sklenarbiene besonders gefördert. Mit dem Tod von Guido Sklenar 1953 übernahm seine Tochter Hannerl Weber-Sklenar die Zuchtarbeit. Bald kam es zu Klagen über viele aus Mistelbach bezogenen Königinnen. Es stellte sich heraus, dass bedingt durch Veränderungen in der Landwirtschaft viele Imker dieses Raumes gezwungen waren, mit ihren Bienen in das Waldviertel und die südöstlichen Ausläufer des Böhmerwaldes zu wandern. Mischpaarungen, von denen schließlich auch die Bienenstände Sklenars nicht verschont blieben. Die anfänglich aufgestellte Behauptung, die Sklenarbiene sei keine reine Carnica, sondern aus einer Übergangsform zwischen Carnica und Mellifera am Rande des Verbreitungsgebietes der Carnica entstanden, ließ sich nicht erhärten, vor allem aber keine dauerhaften züchterischen Erfolge gewährleisten. So wurde in Deutschland erst seit Mitte 1987 den Sklenarzüchtern der Merkmalstandard für die Carnica zuerkannt.

Vor dem Krieg galt der Landwirt Hupfeld aus Altenritte bei Kassel als erfahrener Sklenarzüchter, der über hervorragendes Material verfügte, dass sich besonders durch seine Rotkleefähigkeit auszeichnete. Eine der größten Belegeinrichtungen für die Sklenarbiene war Ende der dreißiger Jahre die Belegeinrichtung Oberhof in Thüringen. Über die Inselbelegstelle Oie in der Ostsee entstand aus Nachzuchten der Sklenarbiene und starker Auslese auf Farbe unter Vernachlässigung der Leistungseigenschaften, der Stamm „Alba“, der aber bald an Bedeutung verlor. Heute sind die Sklenarzüchter weitgehend im bereits vor dem 2. Weltkrieg gegründeten „Sklenarbund“ dem heutigen Internationalen Bund der Sklenarbienen Züchter IBSZ e.V. organisiert.
Züchterringe, Beleg- und Besamungsstellen sowie Prüfstände werden in fast allen Bundesländern betrieben. Als Inselbelegstellen werden in Schleswig Holstein die Hamburger Hallig ( nordfriesischen Inseln), sowie in Niedersachsen Borkum und Juist ( beides Ostfriesische Inseln ) mit Sklenar-Drohnen ausgestattet, wobei Juist mit jährlich ca. 1500-1700  Königinnen zu einer der am stärksten beschickten Inselbelegstellen gehört.

Quelle:
Unter Verwendung des Textes des DIB-Zuchtbeirats Friedrich-Karl Tiesler
Textautor: Wilfried Götze

Hier der Link zum
„Ursprungsbetrieb der Sklenarbiene“