Die Geschichte des Sklenarbundes

Die Entstehung der Sklenarbiene "Stamm 47"

Guido SklenarGuido Sklenar wurde 1871 in Carpano/Österreich, im heutigen Kroatien geboren. 1895 fasste der Junglehrer Sklenar den Entschluss, sich speziell der Bienenzüchtung zuzuwenden.
Mit der Übernahme von 36 Völkern seines Schwiegervaters war der erste Grundstock für seine Aktivitäten gelegt. Bereits im ersten Jahr ist ihm ein Volk besonders aufgefallen, da es von 50 Völkern den höchsten Honigertrag erzielte. Sowohl im zweiten, als auch im dritten Jahr war dieses Volk bei einer Konkurrenz von 70 Völkern erneuter Sieger. Als Dank für diese enorme Leistung über drei Jahre hinweg, erhielt dieses Volk die erste neu angeschaffte Beute, mit der später bedeutsamen 47 als Stocknummer. Dieses Volk zeichnete sich durch eine ausgeprägte Sanftmut, raschem An- und Abflug der Arbeiterinnen, sowie der für damalige Verhältnisse wichtigen Selbstversorgung aus. Auch hatte es einen wesentlich geringeren Wintertotenfall. Weitere positiven Merkmale waren der bereits früh am Morgen beginnende und erst am späten Abend endende Flug der Bienen. Jedoch besaß dieses Volk auch Nachteile. Die starke Verwendung von Propolis erschwerte zwar die Bearbeitung, war aber hinnehmbar. Ein für damalige Verhältnisse schwerwiegender Nachteil bestand darin, dass über die natürliche Vermehrung keine neuen Völker gewonnen werden konnten, da der Schwarmtrieb fehlte. Die Möglichkeit der Königinnenzucht war noch weitgehend unbekannt. Um schließlich doch noch Nachkommen zu erhalten, war es sehr vorteilhaft, dass die Königin ausgesprochen langlebig war. Die Urzuchtkönigin erreichte ein Alter von 7 Jahren. Sicherlich war hierbei auch der Vergleich zu heutigen Beuten der erhebliche Unterschied der Kastengröße entscheidend. Sklenar war gezwungen, mit einer seinerzeit durchaus unüblicher Methode, der "Herzwabe" zu Königinnen zu kommen. Diese ähnelte dem später entwickelten Bogenschnitt. Schon 1898 erzielte Sklenar die ersten brauchbaren Erfolge und erkannte, dass die Königinnenzucht die wichtigste betriebliche Maßnahme darstellt. Seiner Zeit voraus, bildete er neue Zuchtlinien um "gezielte" Anpaarungen von Königinnen und Drohnen zu erhalten. Im Mai 1906 berichtete Sklenar, dass es ihm gelungen sei, mit mehreren Linien-Kombinationszüchtungen wertvolle Königinnen zu züchten, die ihre Eigenschaften gut vererbten. Sklenar blickte zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine 11 jährige erfolgreiche Zuchtarbeit zurück. Durch seine im Mai 1922 veröffentlichte Zeitschrift "Mein Bienenmütterchen" gab er seine Kenntnisse und Erfahrungen einem breiten Publikum weiter. Erstmals spricht Guido Sklenar 1930 von seinem "Stamm 47". Bis zur Eröffnung der Belegstelle Hirschgrund (die heute noch besteht) betrieb er "Linienzucht" in Mistelbach. Hierbei versuchte Sklenar einen gezielten Drohnen- und Königinnenflug zu gewährleisten. Dabei wurden genügend Drohnenwaben in Altvölker eingehängt, und sowohl das Mutter- als auch das Vatervolk ausgewählt. Um unerwünschte Drohnen von der Vermehrung auszuschließen, wurden Drohnenfallen benutzt, bzw. die Drohnen mit entsprechenden Vorrichtungen vor dem Ausflug gehindert. Bereits in diesen frühen Jahren der Zuchtarbeit klagte Sklenar über Schwierigkeiten, die Völker der Nachbarimker umzuweiseln. Die Mehrfachpaarung der Königinnen war zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt.

Züchterische Anerkennung von Guido Sklenar
Fand besonders in den Ergebnissen der Leistungsprüfung von 1950-1953 auf dem Prüfhof Westfälisch - Lippischer Imker, betreut durch Herrn Reinighaus statt. Bei dieser Prüfung standen 6 Herkünfte (Sklenar, Troisek,Peschetz, Nigra/Kleinewegen, Italiener und Landrasse) in Konkurrenz. Unumstrittener Sieger war die unverkreuzte Sklenarbiene von Züchter Hupfeld, Altenritte/Kassel. Im Vergleich der schlechtesten Gruppe, der Landrasse, hatte diese Sklenar - Herkunft eine 4fache Leistung. Dieses gute Ergebnis hatte zur Folge, dass nur Sklenarbienen im Landesverband Westfälischer - Lippischer Imker gefördert wurden. Nur das Institut Münster hielt als deutsches Institut die Sklenarbiene. Leider konnte Sklenar den nun folgenden Aufschwung seiner Bienen nicht mehr miterleben. Am 26.05.1953 verstarb Guido Sklenar, der "Altmeister" und größte Praktiker einer planmäßigen und rationellen Königinnenzucht, sowie erster und auch bedeutendster Züchter in Österreich.

Aufbau der ersten Landbelegstellen in Deutschland
Nach den massiven Einfuhren von Bienenmaterial vor und um die Jahrhundertwende, insbesondere von italienischen Bienen und der amerikanischen Goldbiene, wurden in den 20iger Jahren Carnica - Herkünfte nach Deutschland importiert. Die Carnica setzte sich schließlich Dank der Sanftmut, Winterfestigkeit und Leistung durch. Um das Zuchtmaterial rein zu erhalten, war die Errichtung von Gebieten erforderlich, wo ausschließlich dieses Material unter Ausschluss der Landbiene und sonstigen eingeführten Rassen gehalten wurde. Solche Gebiete standen nur sehr begrenzt zur Verfügung. So war z. B. der Züchter Heinrich Hupfeld in Altenritte bei Kassel in der Lage, die von ihm 1929 importierte Sklenarbiene nachweislich bis in die 50er Jahre über die Belegstelle "Hohes Gras" rein zu erhalten. Auch auf der von Prof. August Ludwig aus Jena 1935 errichtete Belegstelle "Tautenburger Forst" kam die Sklenarbiene zum Einsatz. Prof. Ludwig und sein Freund Ferdinand Gerstung waren die Gründer des "Reichsvereins für Bienenzucht", dem daraus später entstandenen D.I.B. Eine der größten Belegstelleneinrichtungen Ende der 30er Jahre war Oberhof in Thüringen, und damit gleichzeitig auch die bedeutenste deutsche Sklenar - Belegstelle. Besonders in den 50er Jahren wurden weitere, zum Teil noch heute bestehende Belegstellen gegründet. Im Verlauf der Zeit wurden mehrere Sklenarbelegstellen gegründet aber auch bestehende aufgelöst.


Gründung Sklenarbund, Entwicklung zum IBSZ e.V.
Bereits vor dem 2. Weltkrieg wurde der "Sklenarbund" gegründet. Nach dem Krieg erfolgte die Neugründung in Ichtershausen/Thüringen. Auch die Zeitschrift wurde von "Mein Bienenmütterchen" im Jahre 1949 in "Das Bienenmütterchen" umbenannt. Dieses Internationale Forum der Carnica - Sklenarbienenfreunde ist das Bindeglied und der Informationsträger zwischen den rund 1000 Mitgliedern. Durch die Teilung Deutschlands errichtete der Sklenarbund, Vorläufer des heutigen Internationalen Bundes der Sklenarbienenzüchter(IBSZ) e.V., 1950 eine Geschäftsstelle "West" bei München. 1955 wurde der IBSZ neu organisiert und in das Vereinsregister in Baden-Baden eingetragen. Erster Vorsitzender und Geschäftsstellenleiter war Arthur Kobus, der bis 1983 zuletzt als Präsidenten dem Vorstand angehörte.


Wichtige Impulse bis zur Anerkennung der D. I. B. -Zuchtrichtlinien
Richtungsweisende Impulse bekam der IBSZ von seinen Züchterringen aus Westfalen-Lippe. So z.B. von dem am 07.12.62 gegründeten Sklenar-Züchterring Minden, mit seinem langjährigen Leiter Fritz Meyer. Besonderer Verdienst dieses ZR ist die 1969 nach langen Verhandlungen mit dem Landesverband Westfalen-Lippe und Weser-Ems gegründete größte Sklenar-Inselbelegstelle auf Juist. Auch der am 04.01.1976 in Bad Driburg gegründete Sklenar-Züchterring "Egge-Senne" hat fruchtbare Akzente gesetzt. Diese beiden Züchteringe gehören heute noch zu den aktivsten im IBSZ. Mit dem am 23.10.1983 erfolgten allgemeinen Vorstands-, Geschäfts-, und Schriftleiterwechsel des IBSZ in Kuppenheim wurden die Voraussetzungen für die wichtige Entwicklung mit dem Präsidenten Fritz Blank, Stellvertreter Hans Reiss, Zuchtobmann Robert Lang und Schriftleiterin Marianne Haag an der Spitze geschaffen. Hier deutete sich der Umbruch bereits an und hatte seinen Höhepunkt in der Generalversammlung am 10.-11.10.1987 in Goslar. Der IBSZ hat in dieser Versammlung seine eigenen Zuchtrichtlinien über Bord geworfen und die Zuchtrichtlinien des DIB übernommen. So konnte sich auch der anwesende Zuchtbeirat des DIB, Herr Friedrich Karl Tiesler über die Ernsthaftigkeit des Vorhabens überzeugen. Nach vielen Jahren hatte sich der IBSZ auch für den DIB hoffähig gemacht und wurde im Zuchtbereich den Landesverbänden gleich gestellt. Nach einer Übergangsfrist wurden die DIB-Zuchtrichtlinien ab 01.01.1991 für alle Züchter im IBSZ verbindlich. Die praktischen Erfahrungen in der Folgezeit haben zu folgendem Ergebnis geführt: Das Ziel war hoch gesteckt, die Arbeit nicht immer leicht, mit dem Ergebnis (sowohl züchterisch als auch organisatorisch) kann der IBSZ. E.V. bis zum heutigen Zeitpunkt zufrieden sein.